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Grethe & Jörgen Ingmann

"Life Lines"

Grethe und Jörgen Ingmann

"Sie hat die seltene Gabe, instrumental phrasieren zu können und durch ihre Stimme erhält selbst ein einfaches Lied eine Bedeutung und einen musikalischen Wert. Jetzt wird Grethe Clemmensen Schallplatten aufnehmen, denn sie hat Gold in der Kehle, und ich bin sicher, bald wird ihr Name ein Begriff sein. Lange werde ich sie wohl nicht in meinem Ensemble halten können. Ich bin aber stolz, sie entdeckt zu haben"
(Jörn Grauengaard)

Diese Worte sagte der dänische Bandleader Jörn Grauengaard im Oktober 1955.
Gerade hatte seine Zusammenarbeit mit der 17jährigen Grethe Clemmensen begonnen. Sein über die Grenzen Dänemarks hinaus bekanntes Trio spielte im berühmten Nachtclub "Giraffen" im Zentrum Kopenhagens, damals eine der besten Adressen in Kopenhagen. Jazz und Swingmusik, - cool und elegant - waren gefragt. Oft übertrug Danmarks Radio live die Musik, und die Schar derer, die die neue Sängerin auch einmal persönlich sehen und hören wollten, wurde immer größer.
Heute könnte man sagen "A Star was born!"

Für die mit bürgerlichem Namen Grethe Clemmensen am 17. Juni 1938 geborene Grethe Ingmann gab es keinen musikalischen Hintergrund, der auf eine spätere Karriere hinweisen würde. Zusammen mit fünf Geschwistern wuchs sie in einem Vorort Kopenhagens auf, absolvierte die Schule und begann eine Lehre als Näherin. Nebenbei begann sie, mal hier, mal da zu singen und als 1954 eine jährlich stattfindende Revue "Cirkusrevuen" inszeniert wurde, half sie kurzerhand als "Hawaii-Girl" in einem Quintett aus. Dies wurde ihr erster professioneller Job, und die Näherin wurde kurzerhand zur Sängerin.
"Malihini-Kvintetten" war eine recht bekannte dänische Gruppe, die bereits seit einigen Jahren existierte und oft im Radio zu hören war.
Dort also hörte Jörn Grauengaard (übrigens auch bekannt durch seine Zusammenarbeit mit dem Duo NINA & FREDERIK) die neue Sängerin und nahm sie unter Vertrag für sein Trio.

Unter den zahlreichen jazzinteressierten Gästen im "Giraffen" befand sich damals auch ein junger Musiker, der im bekannten Svend Asmussen Orchester Gitarre spielte: Jörgen Ingmann.
Er hatte "ein Auge" auf die junge, begabte Sängerin geworfen, und recht bald hatte es zwischen den beiden "gefunkt".

Bereits 1956 wurde geheiratet und damit auch der Grundstein für eine langjährige künstlerische Zusammenarbeit gelegt.

1957 hatte das Paar den ersten großen Hit in Dänemark mit der dänischen Version von "Just walking in the rain" (Slentre gennem regn)
Ein wahrer "Gassenhauer", von dem jeder Künstler nur träumt und der dann auch zu einer jahrelangen Vertragsbindung zu Metronome Records in Dänemark und im Ausland führte.
"Ich habe sie immer als eine Art dänische Ella Fitzgerald empfunden.Viele Jahre war sie unsere beste Sängerin. Niemand im Pop- und Jazzbereich konnten ihr damals das Wasser reichen". (Bent Fabricius-Bjerre, Inhaber Metronome Records, Kopenhagen)

In Stil und Aufnahmetechnik lehnten sich Grethe & Jörgen Ingmann zu Beginn ihrer Karriere stark an das amerikanische Duo Les Paul & Mary Ford an. Diese waren die ersten Künstler in den USA, die sog. Trick-Aufnahmen machten, d.h. durch mehrfaches Überspielen ihrer Stimmen und Instrumente im Studio einen ganz besonderen Sound entwickelten.
Grethe & Jörgen Ingmann übernahmen die Idee, entwickelten jedoch einen eigenen Sound, der bald unverkennbar wurde. Eine Symbiose aus Gesang und Gitarrenspiel. Erst wenn die Aufnahmen perfekt erschienen, verließ man das Studio!


Grethe og Joergen Ingmann


Die gleiche Perfektion legte Jörgen Ingmann bei den Aufnahmen zu seinen Solo-Produktionen als Gitarrist an den Tag, denn diese Aufnahmen erschienen gleichzeitig unter seinem Namen und damit gelangte er zu Weltruhm! - Doch hierüber mehr an anderer Stelle.

Für das Duo Grethe & Jörgen Ingmann kam 1963 der große internationale Durchbruch, als ihnen die Teilnahme an der Ausscheidung des dänischen Beitrages zum Grand Prix de la Chanson angeboten wurde.

Bereits bei der Vorentscheidung am 24. Februar 1963 im Konzertsaal des bekannten Kopenhagener Tivoli stand für Presse und Publikum fest, daß "DANSEVISE" mit Grethe & Jörgen später in London beim Grand Prix Dänemark gut vertreten würde.

Als das Duo am 23. März 1963 in London den 1. Platz belegen konnte, schrieben sie Musikgeschichte, denn bisher war noch kein skandinavisches Land je als Sieger heimgekehrt!

Deutsche Version Siegertitel Grand Prix Grethe und Joergen Ingmann in London Grethe und Jörgen Ingmann Dansevise

In Skandinavien war "DANSEVISE" ein riesiger Erfolg, und kaum ein Künstlerpaar hätte diesen Jazz-Waltz besser interpretieren können als Grethe & Jörgen Ingmann.

International gesehen war der Musikmarkt jedoch nicht reif für einen Jazz-Walzer. In Deutschland, wo sofort nach dem Sieg in London eine deutsche Version erschien, war der Plattenverkauf noch zufriedenstellend. In England und in den USA blieb es jedoch bei einer kleinen Anzahl Probeplatten. Die Musikrichtung war zu ausgefallen, obwohl die englische Version sehr schön klang.
Während in Dänemark ein Schlager nach dem anderen erschien, versuchte die Metronome Records in Hamburg zunächst mit dem Duo Grethe & Jörgen Ingmann auch den deutschen Markt zu erobern. Schon 1962 produzierte Klaus Lorenzen verschiedene Aufnahmen in Kopenhagen. Hierbei handelte es sich zumeist um Synchronisationen der dänischen Hits, meist englischer/amerikanischer Herkunft. Schöne Titel, die jedoch vom Sound und Arrangement her nicht ausreichend auf den deutschen Markt zugeschnitten waren.
Erst nach dem großen Erfolg in London konnte Lorenzen reine deutschsprachige Produktionen für den deutschen Markt durchsetzen. Produziert wurde in Berlin.
Beim Deutschen Schlagerfestival 1963 in Baden-Baden nahm Grethe Ingmann, jetzt als Solistin ohne Jörgen Ingmann als Begleitung - mit dem Titel

"DER KING VON SOHO"

Grethe Ingmann: der Kind von Soho Schallplatte Schlagerfestspiele Baden Baden


teil. Unter 18 Bewerbern - fast alles deutsche Spitzen-Entertainer - belegte sie den 5. Platz. Damit hatte sie auf dem größten europäischen Schallplattenmarkt Fuß gefaßt. Skandinavien und insbesondere Dänemark blieb in den kommenden Jahren jedoch ihr Hauptwirkungskreis.

Grethe Ingmann bei den Deutschen Schlagerfestspielen 1963 in Baden - Baden zusammen mit der Metronome-Crew.
Foto zeigt von lks. Ann-Louise Hanson, Grethe Ingmann, Mr. Acker Bilk, Börje Ekberg (Manager von Siw Malmquist) Jörgen Ingmann, H.A. Simon, Leif Kraul (Direktor Metronome Records Deutschland) Klaus Lorenzen (sitzend)


Zu Beginn der 60er Jahre wurde Jörgen Ingmann in Kopenhagen bei (der) Metronome Records Produktionschef und verlegte seinen Schwerpunkt auf diese Tätigkeit. Neben seinen eigenen Aufnahmen und Produktionen zusammen mit seiner Frau entstanden erfolgreiche Produktionen mit anderen Künstlern.
Das bis dahin bestehende JÖRGEN INGMANN QUARTETT war inzwischen aufgelöst worden.

Grethe Ingmann entwickelte sich mehr zu einer Solistin und nahm in den folgenden Jahren viele anspruchsvolle Titel auf.

1965 schrieb der deutsche Komponist Henry Mayer seinen großen Hit "DER SOMMERWIND". Dieses Lied war Grethe Ingmann wie "auf den Leib geschrieben" und sie sollte damit im gleichen Jahr wieder bei den deutschen Schlagerfestspielen antreten.

Plattenhülle: Der Sommerwind mit Grethe Ingmann

Der Titel wurde sowohl in deutsch wie auch auf dänisch aufgenommen, fiel aber bei der Vorentscheidung zum Festival durch.
Eine englische Version, die zur Vermarktung für den internationalen Markt aufgenommen wurde, hörte FRANK SINATRA, der den Titel dann so überaus erfolgreich nach-produzierte.

Zu Beginn der 70er Jahre erschien international das sehr schöne Album

"GRETHE & JÖRGEN INGMANN sings BENT FABRIC"

Dies Album enthält ausschließlich Kompositionen von Bent Fabric, der international mit "Alley Cat" seinen größten Hit in den 60er Jahren hatte.
Hierauf wirken der Komponist am Klavier, sowie Grethe & Jörgen Ingmann, begleitet von einer swingenden Big Band, mit.


Inzwischen war der Bruder von Grethe Ingmann, - Leif Petersen bei Metronome Records in Kopenhagen als Producer engagiert worden. Leif Petersen, der auch als Arrangeur tätig war, schrieb für Grethe Ingmann immer häufiger die Arrangements und schlug stilistisch neue Wege ein. Es entstanden wunderbare Balladen und große Produktionen, die das gesangliche Können sowie die Interpretation von guten Texten hervorhoben.
Mehrfach nahm Grethe Ingmann mit speziell für sie geschriebenen Titeln an den dänischen Grand Prix -Vorentscheidungen teil, konnte jedoch über 2. und 3. Plätze hinaus nichts erreichen.

1974 erschien die letzte gemeinsame Langspielplatte von Grethe & Jörgen Ingmann in Dänemark. Hieraus entwickelte sich ein großer - aber der letzte gemeinsame, Single-hit "Sig Godmorgen".
Auf dieser Langspielplatte gibt es noch eine Reihe von wunderschönen Aufnahmen wie z.B. die dänische Version von "Both sides, now", dem bekannten Joni Mitchell-Song. Dieser heißt auf Dänisch "Livets Cirkel", was auf deutsch soviel wie "Der Zirkel des Lebens" heißt - eine Anspielung auf eine 20jährige, erfolgreiche Zusammenarbeit, die damit beendet wurde.
1975 wurde das Ehepaar geschieden.

Grethe Ingmann nahm im Herbst des Jahres 1975 ihre erste Langspielplatte ohne jegliche Mitwirkung von Jörgen auf. Nunmehr war ihr Bruder Leif Petersen als Arrangeur und Producer ihre musikalische Stütze. Es entstand eine Produktion, die nicht nur technisch zu den besten ihrer Aufnahmen gehören, sondern thematisch gleichzeitig eine Auseinandersetzung mit ihrer Lebenssituation wurde. Hierauf sind wahre Höhepunkte ihres gesanglichen Könnens enthalten.
Wenn Frank Sinatra sich 10 Jahre zuvor "Der Sommerwind" bei ihr "auslieh", dann revanchierte sich Grethe, indem sie ihre Version von Sinatra`s "LET ME TRY AGAIN" in internationalem Format bringt!

Die Zeiten änderten sich und neue musikalische Einflüsse bestimmten das Musikgeschäft. Ende der 70er Jahre tat sich Grethe Ingmann mit der bekannten dänischen Jazzband "Papa Bues Viking Band" zusammen und nahm eine Langspielplatte auf. Diese Platte erregte großes Aufsehen, denn sie fiel gegenüber den sonstigen Produktionen aus dem Rahmen.

Ende der 80er Jahre zog sich Grethe Ingmann aus gesundheitlichen Gründen immer mehr aus dem Show-Geschäft zurück. Sie erlag 1990 ihrer Krankheit.



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Zusammenstellung: Klaus Lorenzen

Internetgestaltung: CPG